© Veronika Bures

Euphoria heißt die lang erwartete neue, multidisziplinäre, raumgreifende Filminstallation von Julian Rosefeldt, die bei der Ruhrtriennale 2022 uraufgeführt wird.

Der in Berlin lebende Künstler ist international bekannt für seine visuell opulenten und akribisch choreografierten Bewegtbildarbeiten, die meist als komplexe Multi-Screen-Installationen präsentiert werden. Inspiriert von der Geschichte des Films, der Kunst und der Popkultur verwendet Rosefeldt bekannte filmische Tropen, um die Zuschauer:innen in surreale, theatrale Welten zu entführen, die dem Publikum stets vertraut, jedoch fremd geworden sind. Rosefeldt hat seit 2011 eine Professur für Medienkunst an der Akademie der Bildenden Künste in München inne.

Nicht zum ersten Mal zeigt der Videokünstler und Filmemacher seine Arbeiten bei der Ruhrtriennale. Bereits 2015 und 2016 begeisterte er das Publikum (nicht nur) der Ruhrtriennale mit In the Land of Drought und Manifesto. Ein Blick zurück in die Vergangenheit und ein Ausblick auf das, was wir in diesem Jahr erwarten können.

In the Land of Drought (2015)

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© Heike Kandalowski / Ruhrtriennale 2015
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© Heike Kandalowski / Ruhrtriennale 2015
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© Julian Rosefeldt
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© Julian Rosefeldt
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© Julian Rosefeldt

Die Filminstallation In the Land of Drought entstand auf der Grundlage der Filmbilder, die Julian Rosefeldt für das Konzert von Joseph Haydns Die Schöpfung eingefangen hat. Rosefeldt sucht dafür dezidiert Szenerien, in denen das sogenannte »Anthropozän« Ausdruck findet: Das Zeitalter also, in dem die Erde als eine von Menschen gemachte erscheint. In meditativen Kamerafahrten folgt der Berliner Filmkünstler den Fluchtlinien einer globalisierten Welt und dekonstruiert das Verhältnis von Mensch und Umwelt, von Kultur und Natur. Die Installation trat in direkten Dialog zur industriellen Umgebung des Landschaftparks Duisburg-Nord.

Manifesto (2016)

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© Eva Westphal
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© Eva Westphal
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© Eva Westphal

2016 zeigte der Filmkünstler Julian Rosefeldt eine neue und von der Ruhrtriennale koproduzierte Filminstallation. In Manifesto ist die australische Schauspielerin Cate Blanchett in dreizehn unterschiedlichen Rollen zu sehen: Als Nachrichtensprecherin, Choreografin, Obdachlose oder Punkrockerin rezitiert sie Manifeste der Kunstgeschichte, die sich zu einem vielstimmigen Plädoyer für ästhetischen Wandel verbinden. Rosefeldt arbeitet mit einer Bildsprache, die bekannte Hollywood-Ästhetiken als Referenz aufruft, diese zugleich ironisiert und unterwandert. In den beeindruckenden Dimensionen der Duisburger Kraftzentrale entfalteten die Bildwelten von Manifesto ihre vollständige Wirkkraft.

Euphoria (2022)

Film still »Euphoria«
Film still »Euphoria« | © Julian Rosefeldt
Film still »Euphoria«
Film still »Euphoria« | © Julian Rosefeldt
Film still »Euphoria«
Film still »Euphoria« | © Julian Rosefeldt
Film still »Euphoria«
Film still »Euphoria« | © Julian Rosefeldt
Film still »Euphoria«
Film still »Euphoria« | © Julian Rosefeldt

Euphoria ist eine Tour de Force durch die Geschichte der Wirtschaftstheorie. Das Projekt zitiert aus Originaltexten berühmter Ökonomen, Schriftsteller, Philosophen und Dichter und zeichnet die 2000-jährige Geschichte der menschlichen Gier nach. Die komplizierte Entstehungsgeschichte unserer neoliberalen Marktwirtschaft übersetzt er in eine zugängliche Bildsprache durch die Kombination historischer Texte mit vertrauten szenischen Darstellungen, in denen Schauspieler:innen wie Giancarlo Esposito und Virginia Newcomb als zeitgenössische Charaktere auftreten und Cate Blanchett einem sprechenden und singenden Tiger ihre Stimme leiht.

Der Frage, warum der Kapitalismus bis heute alternativlos zu sein scheint und warum er selbst für Menschen, die sich seines zerstörerischen Charakters bewusst sind, unwiderstehlich bleibt, geht das Projekt als filmisches Reenactment von pro- und antikapitalistischer Kritik nach.